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am 21. Jänner

Flächenwidmung Althangrund: Nachbesserungen für den öffentlichen Mehrwert

Christa Schmid - In der Bezirksvertretungssitzung vom 17. 1. 2018 wurde der Entwurf des Flächenwidmungsplans von allen Parteien abgelehnt. Der versprochene öffentliche Mehrwert war nicht ausreichend sichtbar und schon gar nicht vertraglich gesichert.


Der bisherige Planungsprozess hat Meilensteine gesetzt, die in den letzten Jahren wesentliche Verbesserungen in der BürgerInnenbeteiligung an derartigen Großprojekten markieren. Dass es immer noch besser werden kann, ist keine Frage - aber im Vergleich zur Baulandwidmung des Grünareals Sensengasse wurden in diesem Fall die BürgerInnen VOR einer Flächenwidmung umfangreich informiert – die große Anzahl an abgegebenen Stellungnahmen im Verfahren ist ein starkes Zeichen dafür, dass dies auch wahrgenommen wurde. Diese Stimmen haben auch Gehör gefunden – viele darin genannten Bedenken decken sich mit den Anliegen der Bezirksvertretung, die dann auch in einer fast einstimmig (gegen eine Stimme der Neos) beschlossenen Stellungnahme des Bezirks eingearbeitet wurden.

 

Visionen für ein Grätzl – ein durchlässiger Althangrund

Die städtebauliche Barrierewirkung des derzeitigen Gebäudes aufzulösen und damit eine intensive Kommunikation des neuen Stadtteils mit den umgebenden Wohngebieten zu schaffen war eine der wichtigsten Vorgaben für die Planungen. Ein Konzept für eine lebendige, offene und transparente Sockelzone, die sowohl eine vielfältige Nutzungsmischung als auch einen einladenden Zugang zum geplanten Park auf der Überplattung der Bahn ermöglicht, wurde im Vorfeld erarbeitet. Bei entsprechendem Erdgeschoßmanagement kann damit auch ein Impuls für die angrenzenden Geschäftsstraßen gesetzt werden. Wir wollen, dass hier auch soziale und kulturelle Initiativen, start-ups und innovative Unternehmen Raum finden.

 

Nachbesserungen des Planentwurfs

Unsere wesentlichen Kritikpunkte am aktuellen Planentwurf sind:

* Die vorweggenommene Widmung eines Hochhauses von 63 m an der Fechtergasse engt den Spielraum des laufenden Wettbewerbes empfindlich ein und wurde auch in keinster Weise im Beteiligungsverfahren kommuniziert. Weiters widerspricht sie den Festlegungen im STEK-Beschluss vom März 2017 – da war zwar die Rede von einer „Dialogzone“ aber nicht von einem zusätzlichen Hochpunkt.

* die gewidmeten öffentlichen Durchgänge sehen zu geringe Durchgangshöhen (mindestens 4 m) und -breiten (6 m) vor, sodass wir die großzügigen Durchgänge und Durchblicke des Sockelzonenkonzepts hier nicht wiederfinden. Die städtebauliche Stufe des Wettbewerbs wird hier sicher Konkreteres zeigen. Uns ist heute wichtig, dass diese Durchgänge und Aufgänge tatsächlich dauerhaft für die Öffentlichkeit nutzbar sind.

* Dass im Planentwurf ohne erkennbares öffentliches Interesse die Liegenschaft Nordbergstraße 13 (derzeit im Eigentum der Bank Austria) eine Bauklasse höher gewidmet wird, obwohl hier ein Abbruch geplant ist, können wir nicht mittragen. Unsere Haltung: Solange die öffentlichen Mehrwerte nicht vertraglich und verbindlich sichergestellt sind, darf es keine „Widmungsgeschenke“ mehr geben.

* Die vorweggenommene Errichtung einer Tiefgarage unter der Nordbergstraße kommt für uns nur unter einer Reihe an Bedingungen in Frage, die die stv. Bezirksvorsteherin bereits hier festgehalten hat. Wir bestehen dabei auf ein abgestimmtes Verkehrskonzept inkl. Alternativenprüfung. Öffentlichen Grund für private Interessen bereitzustellen heißt für uns, dass im Gegenzug öffentliche Nutzungen auf der Privatliegenschaft geschaffen werden müssen.

* Insgesamt soll sich die Planung (auch für den Wettbewerbsteil) durch eine zurückhaltende Höhenentwicklung auszeichnen – so wie sie das Hochhauskonzept für die konsolidierte Stadt vorsieht.

 

Sozial gerechte Stadtentwicklung – eine Illusion?

Städtebauliche Veränderungsprozesse sind immer auch getragen von InvestorInnen und deren Kapitalverwertungsinteressen. Dass seinerzeit Schritt für Schritt ÖBB-Grund an Private mit möglicherweise reichlich Gewinn verkauft wurde ist eine Sache, die wir scharf kritisieren – die Stadt Wien muss die Suppe dieser Fehlleistungen nun auslöffeln. [mkk1] Eines unserer vorrangigen Ziele im Zuge dieses Entwicklungsprojektes ist die Schaffung von „sozial gebundenem“ Wohnraum – was wir genau damit meinen, werden wir in die nächste Bezirksvertretungssitzung einbringen. Wir sind überzeugt, dass Wien mit jedem Projekt einer sozial gerechten Stadt näher kommen kann.

 

Es ist noch ein Stück Weges bis dahin am Althangrund, aber wir arbeiten daran und freuen uns, wenn am Ende ein Plan vorliegt, der eine wesentliche Verbesserung im Grätzel garantiert. Und wir stehen absolut dazu, dass Stadtplanung auch ein Prozess ist, in dem vielfältige Interessensabwägungen genauso Platz finden wie die Zuversicht, dass gute Ideen realisierbar sind.