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am 15. November 2019

Bäume brauchen mehr Platz und Schutz – vor allem in der Stadt

Christa Schmid - Dass Bäume im Straßenraum die Wohn- und Lebensqualität in der Stadt verbessern ist unbestritten. Um wirklich wachsen zu können brauchen Bäume in der Stadt aber auch bestmöglichen Schutz, da sie immer mehr besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

Bäume fördern die Identifikation des Menschen mit ihrem Wohnumfeld. Sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen: Sie binden Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff, filtern Staub aus der Luft, kühlen die Umgebung durch Verdunstung im Sommer und dämpfen den Straßenlärm. Darüber hinaus bieten sie wertvollen Lebensraum für Tiere, Flechten und Moose. Und sie spielen eine wesentliche Rolle für das Wohlbefinden der Menschen, die in der Stadt wohnen: Es gibt Studien, die nachweisen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen im Sommer dort signifikant geringer ist, wo ausreichend Grün vorhanden ist.

Extremstandort „Stadt“ & Herausforderung Klimawandel

Unsere Straßenbäume sind aber auch immer mehr besonderen Belastungen ausgesetzt: Die Salzstreuung im Winter und Hitzeperioden im Sommer sind schon extreme Herausforderungen für Bäume in der Stadt – der Klimawandel verschärft zunehmend diese Stresszeiten. Auch Luftverschmutzung, die chemische Belastung durch Hundeurin und die Bodenverdichtung durch die verkehrsbedingten Erschütterungen gefährden die Vitalität der Bäume. Wenn dann auch noch der Wurzelraum beengt ist, wird es prekär für das Überleben und das Erreichen eines höheren Alters, in dem sich die Baumkrone erst zu einem wohltuenden Schattenspender entwickeln könnte.

Damit sich Straßenbäume gut entwickeln können, müssen schon in der Planung entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Eine Faustregel besagt, dass ein durchschnittlicher Baum in etwa das gleiche Volumen an Wurzelraum braucht wie die Baumkrone. Kommen also junge Bäume z.B. noch mit einer Baumgrube von 2*2 m aus, haben ältere Bäume an unseren Straßenrändern mit derartigen Mini-Standorten zunehmend Probleme: sie brauchen den Wurzelraum nicht nur zur Wasser- und Nährstoffversorgung sondern auch für ihre statische Verankerung um kräftigen Windböen standzuhalten. Inzwischen fordert die MA42, dass Baumscheiben mind. 9 m² groß sein müssen und 1,75 m tief.

Künftig nur mehr Kleinbäume im Straßenbild?

Straßenraumprägende Großbäume verschwinden zusehends

  • weil sie Bauprojekten „im Weg“ sind (manchmal auch nur der Baustelleneinrichtung!)
  •  weil die Witterung extremer wird (Hitzeperioden, Stürme, Trockenzeiten, Tropennächte)
  •  weil ihre Vitalität abnimmt – und sie dann mitunter massiv beschnitten werden
  •  weil das Verständnis fehlt, dass Bäume ausreichend Raum brauchen
  • weil bei manchen der Stellplatz für ein Auto immer noch höher gewertet wird
  •  weil Politik zu wenig aufmerksam ist oder zu defensiv („keiner will Bäume vorm Fenster“)

Manche – bis heute in Wien stadtbildprägende - Baumarten (wie z.B. Spitzahorn, Winterlinde, Rosskastanie) sind inzwischen den extremer werdenden Standortbedingungen im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr gewachsen. Die MA 42 hat in den letzten Jahren vor allem die Strategie verfolgt, Baumarten nachzupflanzen, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen und die in ihrer Kronenentwicklung eher bescheiden bleiben. Es ist also zu erwarten, dass sich Straßenbild in den nächsten Jahrzehnten trotz Baumpflanzungen nachhaltig verändern wird.

Bestmöglicher Schutz für Altbäume

Wir fordern: Der Bezirk und die Stadt müssen sicherstellen, dass auch in der Zukunft große, schattenspendende und straßenraumprägende Bäume am Alsergrund wachsen und alt werden können! Alte Bäume spenden mehr Schatten und kühlen die Stadt durch Verdunstung. Es vergehen mindestens 25 bis 30 Jahre, bis ein neu gepflanzter Baum hier einen wesentlichen Beitrag leisten kann.


Was wir bis jetzt erreicht haben:

Künftig werden im Alsergrund - wo auch nur irgendwie möglich - großkronige Bäume gesetzt. Diese Einigung hat sowohl im Bezirksparlament als auch in der praktischen Umsetzung länger gedauert als uns lieb war, aber die Botschaft ist inzwischen in der MA42 und in der Bezirksvorstehung angekommen und es gibt entsprechende Zusagen. Baumgruben müssen eine Mindestbodentiefe von 1,75 m bieten, die Einhaltung der Mindestfläche von 9 m² ist zwar seitens der MA42 vorgegeben, die Praxis zeigt leider immer noch krasse Unterschreitungen.