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am 19. November 2014

Suchtberatungsstelle Nußdorfer Straße 41 - Im Dialog bleiben, alle Beteiligte ernst nehmen und daraus lernen

Momo (Monika) Kreutz - Das ist wichtig um das Wohl der AnrainerInnen im Grätzel wie auch der NutzerInnen der Beratungsstelle zu gewährleisten. Wir müssen aber auch für zukünftige Projekte Schlüsse ziehen.

Mit 13. November 2014  hat die niederschwellige Suchtberatungsstelle Nußdorfer Straße ihre Türen geöffnet. Nun gilt es dem Projekt eine Chance zu geben, sowohl den BewohnerInnen des Grätzels, die der Einrichtung wohlwollend bzw. skeptisch gegenüber stehen als auch den suchtkranken Menschen, die hier Unterstützung erhalten. Diejenigen, die grundsätzlich nichts mit Suchtkranken zu tun haben wollen, die Oppositionsparteien, die hier mit Stimmungsmache und Vertreibungsphantasien agieren, werden vermutlich nach weiteren Gründen der Ablehnung suchen.

Wir wollen im Dialog bleiben

Dazu gehört der menschliche Umgang ebenso wie eine sorgsame Beobachtung, wie sich die Situation vor Ort entwickelt, welche Verbesserungsvorschläge es für alle Beteiligten aufgrund der Erfahrungen gibt. Bereits im Dezember soll das erste Treffen mit VertreterInnen der BürgerInneninitiativen, der Suchthilfe Wien, BezirksrätInnen, der Polizei und der Magistrate stattfinden, wo die genaue Zusammensetzung des Dialogforums und die weiteren Schritte vereinbart werden.

Was ist noch zu tun?

In dieser Suchtberatungsstelle gibt es Infektionsprophylaxe, Spritzentausch und Beratungsangebote. Die Öffnungszeiten sind täglich von 9.30 bis 16.30 Uhr und Mittwoch von 15 bis 18.30 Uhr. Sonn- und feiertags ist geschlossen. Ein RaucherInnenbereich im Inneren soll Traubenbildung vor dem Lokal reduzieren. StraßensozialarbeiterInnen stehen den BewohnerInnen und Suchtkranken zur Verfügung, MA42 und MA48 reinigen täglich, notwendige Beleuchtungen werden verstärkt. Und die Auslagen wurden nicht nur foliert, sondern von einem Künstler - Joachim Hohensinn - gestaltet.

Ziel der neuen Einrichtung ist es, suchtkranke Menschen, die noch kein weiteres Angebot angenommen haben, mit diesem niederschwelligen Angebot zu erreichen und Vertrauen aufzubauen, damit sie die notwendigen Schritte gehen können, um gesundheitlich, sozial und beruflich wieder ihren Weg zu finden.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Stadt Wien die wichtigsten Informationen über die Einrichtung für alle Interessierte transparent zugänglich machen.

Aus diesen Erfahrungen lernen

Aus den vielen Gesprächen der letzten Wochen habe ich eine Lehre gezogen: Es ist wichtig, die Menschen sofort zu informieren, ihnen Daten und Fakten zu liefern, und das am besten schriftlich. Es muss nachvollziehbar und transparent agiert werden, um die Menschen nicht nur vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es muss Aufklärung stattfinden und auf die Sachlage eingegangen werden. Es müssen bereits bei der Ankündigung der Errichtung sozialer Einrichtungen entsprechend zeitnahe Settings organisiert und bekannt gemacht werden, wo Fragen beantwortet werden. Es muss aber auch auf Sorgen und Ängste - berechtigt oder unberechtigt - eingegangen werden, weil auch diese subjektiv vorhanden sind und ernst genommen werden wollen.

Unbenommen davon ist die Entscheidung über die Standorte von sozialen Einrichtungen. Diese muss auch zukünftig nach sozialem Ermessen von den ExpertInnen und den politisch Verantwortlichen getroffen werden.

Weiterdenken

Wir leben in einer wachsenden Stadt, in der sich rasch und viel entwickelt. Nicht nur die Wirtschaft oder die Bevölkerung wächst, sondern mit dem Wachstum kommen auch neue Herausforderungen auf uns zu, und es wäre verantwortungslos die Augen davor zu schließen.

Wir müssen uns mit sozialen Themen auseinandersetzen und Unterstützung für diejenigen bieten, die, aus welchen Gründen immer, am Rand unserer Gesellschaft stehen. Und wir dürfen sie nicht an den Rand unserer Stadt drängen, weil sie unter uns leben.

Wir Wiener Grüne beschäftigen uns schon lange mit grundsätzlichen Überlegungen zur Sucht- und Drogenstrategie in unserer Stadt. Diskussionen darüber sind ​notwendig:

Unser Ziel muss sein, mit gegenseitigem Verständnis und Toleranz ein gedeihliches Mit- und Nebeneinander zu erreichen. Jeder und jede hat das Recht auf die bestmögliche medizinische Versorgung. Darauf sollen sich alle Menschen verlassen können.