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am 20. September

Stillstand bei der Verkehrspolitik im Neunten Bezirk

Georg Garstenauer - Der Alsergrund muss Paris werden!

Der Alsergrund ist berühmt für sein französisches Flair – wir haben das Lycée, es gibt französische Geschäfte und in der Bim wird Französisch gesprochen. Das Servitenviertel gilt sogar als „Klein-Paris“. Darauf sind wir als Alsergrunder:innen zurecht stolz. In letzter Zeit hat uns aber Paris – wie viele andere Metropolen auf der Welt –  einiges voraus: Dort werden Straßen rückgebaut, Tempo 30 eingeführt und Fußgänger:innen und Radfahrer:innen bekommen mehr Platz.  Nur in Wien und am Alsergrund herrscht Stillstand ​in der Verkehrspolitik!

Expert:innen sind sich einig – beim Verkehr muss sich was ändern

Der motorisierte Individualverkehr hat einen sehr großen Anteil am CO2-Ausstoß. Alle Expert:innen sind sich einig, dass sich beim Verkehr was ändern muss, damit wir die Klimakrise bewältigen.

Die Stadt Wien hat sich deshalb in der Smart-City-Strategie verpflichtet, die Abgase im Verkehr bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren und bis zum Jahr 2050 CO2-neutral zu werden. Durch den Ausbau der Öffis und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sollen bald 80% der Wege zu Fuß, mit dem Rad oder mit den Öffis zurückgelegt werden und die Zahl der Autos deutlich abnehmen.

Verkehrsberuhigung bedeutet vor allem auch weniger Lärm, weniger Unfälle und weniger gesundheitsschädliche Abgase für die Bewohner:innen und macht unsere Stadt sicherer und lebenswerter, weil sich die Leute lieber draußen aufhalten. Vor allem Menschen, die in kleineren Wohnungen leben, brauchen attraktiven öffentlichem Aufenthaltsraum. Der Platz, der jetzt vor allem den Autos zur Verfügung steht, soll den Menschen zurückgegeben werden.

Verkehrspolitischer Stillstand am Alsergrund

Obwohl die Gesamtzahl der PKW am Alsergrund trotz steigender Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um 15% Prozent abgenommen hat, dominiert das Auto mit breiten Fahrbahnen und beidseitigen Parkspuren den öffentlichen Raum. Als viele Alsergrunder:innen während der Corona-Krise vermehrt im Bezirk spazieren gegangen sind, haben sie gemerkt, wie schmal unsere Gehsteige eigentlich sind, wo oft Kinderwägen nicht aneinander vorbeikommen.

Der Alsergrund hat zahlreiche Durchzugsstraßen, die die Grätzl durchschneiden und für Kinder am Schulweg gefährlich sind. Es gibt vor allem kaum baulich getrennte Radwege am Alsergrund. Die bestehenden sogenannten Rad- und Mehrzweckstreifen (ein Strich zwischen Auto und Fahrradfahrer:in) sind sehr gefährlich und halten viele davon ab, auf das Fahrrad zu wechseln. Die TU Wien hat erhoben, dass auf drei Straßen am Alsergrund (Alserbachstraße, Währinger Straße und Unversitätsstraße/Alser Straße) wienweit (!) deshalb die höchste Dringlichkeit besteht, neue Radinfrastrukturzu errichten.2

Doch weder die Stadt noch die Bezirksvorstehung interessieren sich dafür, diese Dinge am Alsergrund endlich anzugehen. Tempo 30 im Bezirk (obwohl schon beschlossen), wird von der Stadt blockiert.

Das Radwegebauprogramm 2021 der Stadt Wien für den Alsergrund ist eine Farce: Im nördlichen Teil der Boltzmanngasse (schon jetzt eine verkehrsarme Sackgasse) wurden im Sommer Fahrradpiktogramme aufgepinselt. Das gleiche am Gürtel: Auf der verkehrsberuhigten Nebenfahrbahn nach der Station Währinger Straße wurden Fahrrad-Piktogramme aufgemalt. Echte Maßnahmen für Radfahrer:innen? Fehlanzeige!

Ein neuer „Radweg“ in der Boltzmanngasse nach der Umgestaltung

Es muss sich was ändern

Folgende Maßnahmen wären leicht und sofort umsetzbar:

  • Autos und Müllcontainer runter von den Gehsteigen
  • Schrägparkplätze zu Längsparkplätzen umwandeln
  • Tempo 30 auf allen Straßen innerhalb des Bezirks
  • Einbahnöffnungen und Pop-Up-Radwege für die Radfahrer:innen; mittelfristig baulich getrennte Radwege auf den Hauptstraßen.
  • Garagenangebote für Anrainer:innen mit den örtlichen Anbieter:innen verhandeln, um Autos von der Straße zu bekommen.

Es wird Zeit, dass sich was ändert und die verantwortlichen Personen die Dringlichkeit dieser Maßnahmen erkennen. Wir erwarten uns Mut, um den Alsergrund noch schöner und sicherer zu machen.