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am 1. Oktober

Mehr Radwege am Alsergrund – Theorie und Praxis

Peter Koppe - Zwischen verbalen Aussagen und tatsächlichen Maßnahmen besteht am Alsergrund leider eine große Kluft.

In der Bezirksvertretungssitzung im April wurde eine von uns Grünen eingebrachte Resolution, die sich dafür ausspricht, dass der Anteil des Radverkehrs durch bauliche Maßnahmen und bewusstseinsbildende Kampagnen verdoppelt werden soll, einstimmig angenommen. In der darauffolgenden Sitzung im Juni wurde hingegen unser Antrag, dass auf den Hauptradrouten im Bezirk baulich getrennte Radwege oder Bike-Lanes errichtet werden sollen, von keiner anderen Fraktion unterstützt.

Aber natürlich lassen wir nicht locker, wenn auch selbst kleine Verbesserungen (ein Stück Radweg dort, vermehrtes „Fahren gegen die Einbahn“ dort) noch immer mühsam erstritten werden müssen. Vielleicht erkennen ja auch die anderen Parteien bald, dass das Festhalten an den Wünschen der Auto-Lobby beachtliche Gruppen vergrämt.

Aber immerhin dürfen wir uns freuen, dass endlich eine weitere Radabstellanlage bei der Liechtensteinstraße, Höhe Boltzmanngasse fertig gestellt wurde.

Der Alltag heute am Alsergrund: FahrradfahrerInnen eingezwängt zwischen parkenden Autos und dem dicht fließenden Verkehr. Immer auf der Hut vor LKWs, die sich auf Zentimeter an den RadfahrerInnen vorbeidrängen und FahrerInnen von parkenden Autos, die ohne Rücksicht auf den Radstreifen ausparken oder die Türe öffnen. Beides Fallen, bei denen jährlich NutzerInnen der Radstreifen verletzt werden. Trotzdem halten immer noch viele Mehrzweckstreifen für eine brauchbare Lösung, um eine Verlagerung von Fahrten vom Auto zum Rad zu bewerkstelligen.  Für uns ist es unvorstellbar, dass Eltern mit ihren Kindern den Schulweg auf solchen Streifen zurücklegen. Dafür braucht es bequeme und sichere Lösungen, die auch Platz für langsamere und schnellere RadlerInnen gewähren.

Es braucht also eine grundsätzliche Umstellung in der Einteilung des öffentlichen Raums, der derzeit für das Auto noch immer viel zu groß bemessen ist. Es geht dabei aber nicht darum, Autos gegen Fahrräder auszuspielen. Um dynamische Städte zu schaffen, muss der Raum für passive Mobilität allerdings reduziert und jener für aktive Mobilität wie Zufußgehen und Radfahren maximiert werden. Änderungen und Maßnahmen, die mit einer revidierten Einstellung und Investitionen verbunden sind. Internationale Erfahrungen zeigen, dass pro EinwohnerIn mit rund 30 Euro Investition in die Infrastruktur pro Jahr zu rechnen ist. Eine hohe Summe, die angesichts der bestehenden Verschuldung nur durch eine deutliche Verlagerung im Budget aufgebracht werden kann.

Ohne Investitionen und ohne Reduktion der Fläche für den motorisierten Verkehr sind die angesprochenen Ziel jedenfalls nicht zu erreichen. Nachdem auch in anderen Städten die Mittel knapp sind, gibt es schon viele Erfahrungen, wie man ohne große bauliche Maßnahmen sichere und ausreichend breite Radwege schaffen kann:

Besonders in mehrspurigen Straßen lässt sich relativ kostengünstig - mit unterschiedlichen Mitteln wie Blumenkisten oder Zäunen - eine Spur als Bike Lane gestalten. Dazu gibt es bereits viele internationale Beispiele. Am einfachsten ist aber der Einsatz von flexiblen Kunststoffpollern, um die Bereiche für KFZs und RadfahrerInnen zu trennen. Lösungen, die auch in Wien durchaus dazu geeignet wären, das Radnetz für RadfahrerInnen, die sich derzeit kaum in den Straßenraum trauen, zu öffnen.  Ohne neue Lösungen und mehr Platz für RadfahrerInnen wird sich der Radanteil kaum erhöhen lassen.