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am 7. Juli

Baumschutz auf Baustellen am Alsergrund– Luft nach oben!

Christa Schmid - Es ist ein leidiges Kapitel – und eines, bei dem Baufirmen, Bauleitungen und leider auch die Bezirksvorstehung immer noch säumig sind: Bäume auf Baustellen sind vor allem in ihrem Wurzelraum extrem gefährdet und brauchen daher besondere Aufmerksamkeit, Expertise und das Gespür für das Leben der ohnehin gestressten Stadtbäume.

„Luft nach oben“ ist eine freundliche Umschreibung von mangelhaften Verhältnissen – im Fall von Bäumen auf Baustellen kann diese auch wörtlich genommen werden: Baumwurzeln brauchen nicht nur Wasser und Nährstoffe, sondern auch ausreichend Sauerstoffversorgung und Luftaustausch im Wurzelbereich. Sie sind auf Baustellen extrem gefährdet durch das unsachgemäße Abreißen von Hauptwurzeln und durch das Zerstören von Feinwurzeln durch das Befahren mit schwerem Gerät und die Erschütterung durch Ablagerung schwerer Lasten im Wurzelbereich. Lange schon gibt es entsprechende Vorschriften, wie Bäume auf Baustellen zu schützen sind (https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/pflanzenschutz/baumschutz-baustelle.html) – nur allzu oft passieren hier immer noch schwere Fehler.


PLUS: Lernen aus Fehlern an der Baustelle Nordbergstraße 9 und 13 (6B47)

Eine aufmerksame Anrainerin hatte uns ein erschütterndes Foto gesendet: einer der Straßenbäume, für deren Stamm- und Wurzelschutz wir uns eingesetzt hatten, war mit Bauschutt fast bis zum Kronenansatz eingeschüttet worden. Unsere sofortige Intervention bei der Bauleitung zeigte schnelle Wirkung – zwei Tage später schon wurden die Schuttmassen beseitigt, ein Baumsachverständiger geladen, der mit der Bauleitung nochmals die notwendigen Vorkehrungen erörterte und die durchführende Baufirma instruierte.

Auch unserer Bitte um ausreichende Wässerung der in die Baustellenfläche eingeschlossenen Straßenbäume in den sommerlichen Hitzewochen wird nun entsprochen: zweimal pro Woche sollen diese jetzt intensiv gewässert werden. Maßnahmen, die eigentlich die Bezirksvorsteherin schon in der Bauverhandlung hätte einfordern müssen.


MINUS: Noch immer nichts gelernt? Baustelle Porzellangasse 51 (KPMG)

Auch hier hatte uns eine aufmerksame Anrainerin auf einen Missstand aufmerksam gemacht: Nur wenige Tage nachdem wir uns mit der Bauherrin (KPMG) an einen Tisch gesetzt hatten, um die Schutzmaßnahmen für die wenigen erhaltenen Bäume vor dem Bau der Tiefgarage anzusprechen (und wo uns treuherzig versichert wurde, die Erhaltung der Bäume wären der KPMG ein wichtiges Anliegen), wurde eine Bauschuttmulde direkt am Stamm eines der Bäume mit lautem Knall abgeladen. Kein guter Start für eine ohnehin höchst fragwürdige Baustelle, deren einziger Sinn die Schaffung von Garagenplätzen für wenige Privilegierte aus dem Vorstand des Steuerberatungskonzerns ist.

In Zeiten dringend notwendiger Klimaschutzmaßnahmen wurden vor 3 Jahren ohne Not 19 Baumriesen gefällt und bis heute nicht ersetzt – da helfen auch schicke Nachhaltigkeitsberichte nichts: das Projekt der Tiefgarage ist eines aus dem vorigen Jahrhundert. Und „Nachhaltigkeit“ (link Nachhaltigkeitsbericht) ist anscheinend nur ein Etikett, mit dem man sich an eigenen Fehlern vorbeischummelt: (https://home.kpmg/at/de/home/insights/2020/04/nachhaltigkeitsbericht-2019.html)

Wir fordern den Konzern auf, wenigstens jetzt den langfristigen Erhalt der drei letzten Bäume verantwortungsvoll zu sichern. Zumindest für einen dieser Bäume konnten die Anrainer:innen erreichen, dass Grabungen für den Aufbau eines „Wurzelvorhangs“ erfolgen, damit dieser die Abgrabung von einem schmerzhaft großen Teil seines Wurzelraumes vielleicht überleben kann.


Anrainer:innen vor den Vorhang

Die Beispiele zeigen: es braucht wachsame Beobachter:innen für unsere Baustellen im Bezirk, die Missstände sofort melden. Und es braucht die Grünen, die Verbesserungen in die Wege leiten - weil die Bezirksvorstehung hier offensichtlich säumig ist – sei es aus Inkompetenz, Desinteresse, anderen Interessen oder fehlendem Problembewusstsein. Wir sind überzeugt: der stete Tropfen höhlt den Stein – und wie das erste Beispiel zeigt: Grün wirkt.