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am 10. Juni

Fatale "Baumpflege" in der Nordbergstraße

- Wie viele Bäume müssen noch dran glauben? Nach den desaströsen Baumfällungen in der Spitalgasse wurden jetzt auch die Bäume in der Nordbergstraße verstümmelt. Und zwar nur deshalb, damit man einen Kran und ein Gerüst aufstellen kann. Wir fordern Kompensation!

Man könnte meinen, in diesem Jahr wäre schon genug an Kahlschlag passiert. Mit dem Alsergrunder Straßenbaumbestand wird besorgniserregend achtlos umgegangen. Der mächtige Baumbestand in der Nordbergstraße entlang des Franz Josefs-Bahnhofes wurde in erschreckender Weise verstümmelt und ausgelichtet.

Wie konnte das passieren? Derzeit beginnt der Umbau an der Fassade des Bahnhofes. Die MA42 hat in Absprache mit der Eigentümerin der Liegenschaft (das Immobilienunternehmen 6B47) eine Fachfirma beauftragt die Baumkronen auf öffentlichem Gut zurückzuschneiden. Das Ergebnis: der Verlust von geschätzten zwei Drittel der Blattmasse, extrem ausgedünnte Baumkronen, die Schnittflächen an den Ästen wurden nicht einmal wundversorgt. Und das Ende Mai, wo die Bäume voll in Saft stehen und alle Kraft in die Belaubung gesetzt hatten. Zudem kurz bevor der prognostizierte Hitzesommer den Bäumen ohnehin große Widerstandskraft abverlangen wird. Und ganz nebenbei wurde in der Nordbergstraße selber nur wenige Meter neben den Baumstämmen eine tiefe Künette für Leitungen der Fernkälte gegraben – also an dieser Seite der Wurzelraum auf ca. 2m Tiefe amputiert.

Wir haben sofort die Bezirksvorstehung davon in Kenntnis gesetzt und gebeten aufzuklären, sowie das zerstörerische Werk zu stoppen. Ebenso wurden Fotos (von besorgten Anrainer*innen übermittelt) mitgesendet, damit klar erkennbar ist, was dort passiert. Gleichzeitig haben wir die MA42 gebeten, die Situation zu prüfen. Die Antwort kam fünf Tage später und enthielt die Feststellung, die Maßnahmen seien ordnungsgemäß erfolgt und zur „Schadensminimierung“ durchgeführt worden, Mit anderen Worten: Sie sehen kein Grund für eine Einstellung der Zerstörungen. Aus dem Büro der Umweltstadträtin war keine Unterstützung zu erwarten – wiewohl dort unsere Bedenken verstanden wurden.

Für die MA42 war dieser Eingriff „gerade noch vertretbar“. Für uns ist er es nicht! Einem Investor wird zugestanden, öffentliches Umweltgut zu schädigen, ohne für entsprechenden Ersatz zu sorgen? Die Frage warum diese Maßnahmen nicht ordnungsgemäß im Winter durchgeführt wurde, konnte bis dato niemand beantworten. Dabei sollte man bei einem Bauprojekt solchen Ausmaßes davon ausgehen, dass vorausschauend geplant wird. In diesem Fall: Dass eine umsichtige Planung mitdenkt, wenn Fassadenarbeiten die benachbarte Baumallee gefährden könnten, dass schon im Winter vor Beginn dieser Arbeiten etwaige Baumschutzmaßahmen durchzuführen sind. Immerhin ist dies ja keine „Hinterholz 8“ - Baustelle, in der „hoppalas“ dieser Dimension passieren können.


Was wir jetzt noch fordern:

  • Einen Schadenersatz für den massiven Verlust an Schatten und Verdunstungsleistung zu Beginn des Hitzesommers 2020 – z.B. durch entsprechende Entsiegelungen und Kompensationspflanzungen im näheren Umfeld.
  • Eine Verpflichtung, dass künftig derartige Eingriffe in die Baumsubstanz ausschließlich in der Vegetationsruhe stattfinden dürfen (eine entsprechende Resolution bringen wir in die Bezirksvertretungssitzung am 24.6.2020 ein.)
  • Eine massive Verbesserung des Wurzelraums der Bäume mit Errichtung von Wasserspeichervorrichtungen (nach dem Prinzip „Schwammstadt“) in der Nordbergstraße vor Zuschüttung der Fernwärme-Künette, ausreichende Wundversorgung der dort verletzten Hauptwurzeln und Wässerung des Wurzelraums während des Hitzesommers 2020 durch den Bauwerber.
  • Die regelmäßige & rechtzeitige Berichterstattung einer Baustellenkoordination an die Bezirksvertretung (Bauausschuss/Umweltausschuss/Bezirksentwicklungskommission) über alle Maßnahmen, die den öffentlichen Raum betreffen.