Olga Ehrenhaft-Steindler

Physikerin und Mathematikerin (1879–1933)

Olga Ehrenhaft-Steindler

biografie

Olga Steindler wurde am 28. Oktober 1879 in Wien als Tochter des Rechtsanwalts Leopold Steindler und seiner Gattin Caroline, geb. Goldberg, geboren. Sie besuchte das Mädchengymnasium des Vereins für erweiterte Frauenbildung in der Hegelgasse. Ihre Matura musste sie jedoch am 7. Juli 1899 in Prag ablegen, da damals Frauen die Ablegung der Reifeprüfung auf dem österreichischen Gebiet der Monarchie noch nicht gestattet war. Ab 1899 studierte Steindler als erste Frau Physik und Mathematik an der Universität Wien und promovierte 1903 – ebenfalls als erste Frau – mit einer Dissertation „Über die Temperaturcoeffizienten einiger Jodelemente“ zum Dr.phil. Im selben Jahr legte sie auch die Lehramtsprüfung für Mittelschulen ab.

Steindlers setzte sich in der Folge für die Mädchen- und Frauenbildung ein. Sie hielt Vorträge im 1900 gegründeten Verein „Athenäum“, einer Fortbildungsanstalt für Frauen und Mädchen, und leitete zahlreiche Kurse in den Institutionen der frühen Wiener Volksbildung. Im Jahr 1907 gründete sie gemeinsam mit Olly Schwarz den „Verein für höhere kommerzielle Frauenbildung“, ein Mädchengymnasium in der heutigen Leopoldstadt sowie eine Handelsakademie für Mädchen in der Josefstadt. Als Direktorin der Handelsakademie war Olga Steindler eine der ersten weiblichen Schuldirektorinnen, die in den Staatsdienst übernommen wurden. Für ihre Verdienste auf dem Gebiet des Schulwesens und der Mädchenbildung wurde ihr als erster Frau der Titel Regierungsrat und 1931 der Titel Hofrat verliehen.

Im Juli 1908 heiratete sie einen Studienkollegen, den Physiker Felix Ehrenhaft, den sie auf einem Urlaub in Tirol wiedergetroffen hatte. In seiner Wohnung in der Grinzinger Straße führte das Paar einen Salon mit zahlreichen Gästen aus den Künsten und den Naturwissenschaften, darunter auch Albert Einstein. 1929 erkrankte Ehrenhaft-Steindler an Brustkrebs, von dem sie sich auch nach einer Operation nie mehr richtig erholte. Am 21. Dezember 1933 verstarb sie an einer Embolie als Folge einer Lungenentzündung.

Auf Initiative der Grünen Alsergrund 2018 wurde der Platz an der Abzweigung der Boltzmanngasse von der Währinger Straße beim Institut für Organische Chemie nach ihr benannt. Bis heute fehlen dort die Nennung ihres Vornamens und eine entsprechende Zusatztafel.

weiterführende Literatur

Weitere Frauengeschichten

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