Harmoniegasse 10: Immo-Spekulation durch die Stadt Wien

Raimund Fichter-Wöß – Seit drei Jahrzehnten steht das Haus in der Harmoniegasse 10 fast komplett leer. Dahinter steckt die Stadt Wien selbst – die hier eigentlich bedürftigen Familien helfen sollte. Weder die SPÖ-Bezirksvorstehung, noch die rote Stadtregierung sehen hier Handlungsbedarf – immerhin wollen sie das Objekt an den höchsten Bieter verkaufen, statt hier sozialen Wohnraum zu erhalten.

Die letzten Mieter:innen waren wohl schon lange vor der Jahrtausendwende eingezogen und seit rund 3 Jahrzehnten hofft die Stadt Wien offenbar darauf, dass auch die letzten Bewohner:innen wegziehen oder gar versterben. Nur mehr 3 von 16 Wohnungen wurden in den letzten Jahren genutzt, dazu die Erdgeschosszone, in der aus dem ehemaligen Gasthaus ein schönes Spezialitätenrestaurant geworden ist. Die anderen Wohnungen sind mit großen Vorhängeschlössern verhängt, weil schon so lange nichts mehr gerichtet wurde, dass die Wohnungen inzwischen als unbewohnbar gelten. Statt hier bedürftigen Familien Wohnraum zu geben, wird hier auf Kosten derer spekuliert, denen eigentlich mit dem Wohnhaus geholfen werden sollte.

So sieht Wohnraum für hilfsbedürftige Familien im roten Wien aus. Weder die Stadtregierung noch
Bezirksvorstehung setzt sich für die Bedürfnisse der wenigen verbleibenden Mieter ein.

Wer spekuliert hier mit dem Stiftungshaus?

Pikant wird die Geschichte dadurch, dass hinter dieser leider bekannten “Immobilienentwicklungs”-Strategie, nicht ein profit-orientierter Privatinvestor steht, sondern die Stadt Wien selbst. Das Haus Harmoniegasse 10 ist ein sogenanntes Stiftungshaus – allerdings ist die ursprüngliche Dr. Eduard Kaufmann’sche Armenstiftung schon länger nicht mehr selbst aktiv, sondern wurde in die Verwaltung der Stadt Wien, genauer gesagt der MA 40 – der Magistratsabteilung für Soziales übergeben.

Zweck der Stiftung war die Fürsorge für hilfsbedürftige Familien, die an oder unter der Armutsgefährdungsgrenze leben und von Obdach- oder Wohnungslosigkeit bedroht sind. Ein Ziel, das wohl auch dem roten Wien ein Anliegen sein sollte – stattdessen spekuliert man hier auf Kosten der Hilfsbedürftigen am Alsergrund.

Das Haus ist bereits in einem schlechten Zustand, aufgrund
der mangelnden Pflege durch die Stadt Wien

Die Stadt Wien plant weiterhin diesen Altbau zu verkaufen und weigert sich daher, in das Haus zu investieren um es wieder dem gemeinnützigem Wohnen zur Verfügung zu stellen. Das gehe nicht! Auch nicht in Zeiten, wo Wiener Wohnen Rekordgewinne schreibt, während viele Wiener:innen nicht mehr wissen, wie sie die gestiegenen Mieten – auch im Gemeindebau – finanzieren sollen!

Wir sind weiterhin der Meinung, dass hier andere Lösungen her müssen als die weitere Veräußerung von gemeinnützigem Besitz hin zu Privatinvestoren, die die Wohnkosten am Alsergrund in die Höhe treiben und die Lage für einkommenschwache Menschen im Bezirk nur verschlimmert.

UNSERE FORDERUNGEN SIND KLAR:

Schon im Juli hatten wir versucht, die SPÖ-Bezirksvorsteherin auf dieses besondere Objekt aufmerksam zu machen – leider hat uns ihr Büro damals nur zurück an die Hausverwaltung verwiesen. Anscheinend ist sozialer Wohnraum für die SPÖ nur ein Lippenbekenntnis.

So haben wir im Dezember im Bezirksparlament noch mal einige Fragen an die rote Bezirksvorsteherin gestellt, deren Beantwortung aber ebenfalls noch offenbleibt.

Unser Wohn-Gemeinderat Georg Prack hat einige Fragen zum Leerstand in von der Stadt Wien verwalteten Stiftungshäusern in den Gemeinderat eingebracht. Wir sind gespannt auf die Antworten der politisch Verantwortlichen im Bezirk und in der Stadt und bleiben weiter an der faulen Sache dran!

Die Harmoniegasse 10 ist ein trauriges Beispiel dafür, was beim Thema Wohnen in Wien falsch läuft. Es braucht wieder leistbares Wohnen und Heizen in Wien – daher haben wir eine Volksbefragung ins Leben gerufen. Unterstütze uns dabei jetzt mit deiner Unterschrift.

MEDIeNBERICHTE:

Profil – „Stadt Wien lässt Haus in bester Lage verfallen“
BezirksZeitung – „Eine Alsergrunder Immobilie als politischer Zankapfel“
Die Presse – „Grüne attackieren rote Stadt – lässt Wien ein Haus verfallen?“

UNSERE ANFRAGEN ALS DOWNLOAD:

Unsere Anfrage zu Stiftungshäusern im Eigentum der Stadt Wien

Unsere Anfrage an die SPÖ-Bezirksvorstehung