Friedl Dicker-Brandeis

Bauhaus-Architektin In Wien, Widerstandskämpferin, Kunstpädagogin (1898–1944)

Friedl Dicker-Brandeis

biografie

Die Architektin, Fotografin, Malerin und Bühnenbildnerin Friedl Dicker-Brandeis hatte ihr Gemeinschaftsatelier mit Franz Singer 1925 bis 1931 am Alsergrund im Haus Wasserburgergasse 2. Hier entstanden unter anderem Arbeiten wie der Montessori-Kindergarten für den Goethe-Hof und eine (nicht mehr realisierte) Arbeiter*Innenwohnsiedlung in Palästina. Das Atelier Singer-Dicker arbeitete an Aufträgen für das Sozialprogramm der Gemeinde Wien – neben der Ausstattung von Kindergärten arbeiteten sie am Projekt „Jugend am Werk“ mit, das sich mit der Resozialisierung Jugendlicher durch handwerkliche Ausbildung befasste.

1931 wurde Friedl Dicker Mitglied der Kommunistischen Partei, 1936 emigrierte sie nach Prag und setzte dort ihre politische Arbeit im kommunistischen Untergrund fort. Sie heiratete Pavel Brandeis und wurde tschechische Staatsbürgerin. In Prag führte sie Kunstklassen – etwa für traumatisierte Kinder, die von ihrem Zuhause in ein fremdes Land vertrieben worden waren. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie illegale Zeichenklassen für Kinder begründete und damit nach Aussagen Überlebender wesentlich zum psychischen Überleben der Kinder beitrug. Die Zeichnungen der Kinder aus Theresienstadt sind ein ergreifendes Vermächtnis, das auch internationale Beachtung findet. 1944 wurde Friedl Dicker-Brandeis in Auschwitz vergast.

Auf Initiative der Grünen Alsergrund wurde (nach 4 Jahren bürokratischer Umwege) 2016 der Gemeindebau Althanstraße 33 nach Friedl Dicker-Brandeis benannt. Dieser war die erste nach einer Frau benannte Wohnanlage am Alsergrund.

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