In tiefem Gedenken an Bezirksrätin DI Neslihan Turan-Berger

In tiefem Gedenken nehmen wir Abschied von Neslihan Turan-Berger, einer Frau, die mit unermüdlicher Leidenschaft, klarem Verstand und einem großen Herzen die Stadt und die Gesellschaft mitgestaltet hat.
Geboren und aufgewachsen in Ankara, legte Neslihan an der Middle East Technical University den Grundstein für ihren Lebensweg als Stadtplanerin. Ihr Wissensdurst und ihr internationaler Geist führten sie über ein Austauschprogramm an die Michigan State University in den USA schließlich nach Wien. Seit 1989 war die Stadt ihre Wahlheimat, wo sie ihr Studium an der TU Wien als Diplomingenieurin für Raumplanung und Raumordnung abschloss.
Neslihan Turan-Berger war weit mehr als eine Politikerin; sie war eine Visionärin des Zusammenlebens. Seit 1995 brachte sie ihre Expertise in einem stadtnahen Unternehmen im Bereich der Stadterneuerung und -entwicklung ein. Sie verstand wie kaum eine andere, dass Stadtplanung weit über technische Zeichnungen hinausgeht – es ist Politik in Beton, Stein und Grünraum.
Seit 1990 brannte ihr Herz für den grünen Aktivismus. Ihr Engagement war grenzenlos: Ob in der Menschenrechts- und Minderheitenpolitik, der Integrations- und Diversitätspolitik oder als starke Stimme in der Frauen- und Bildungspolitik – Neslihan kämpfte stets für jene, deren Stimmen oft überhört wurden. Besonders am Alsergrund, wo sie seit 2012 lebte, hinterließ sie als Bezirksrätin der Grünen (ab 2020) bleibende Spuren, setzte sich beharrlich für ökologische Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und lebenswerte Grätzl ein.
Ihr persönliches Leben war ein Spiegelbild ihrer Werte: In einer bikulturellen Ehe lebend, zog sie gemeinsam mit ihrem Mann zwei trilinguale Töchter groß. Als liebevolle Mama gab sie ihnen Mut, Solidarität und die Unbeugsamkeit mit, für das Richtige einzustehen. Neslis Familie war ihr Anker.
Neslihan war eine Kämpferin – auch in privaten schweren Stunden. Mit bewundernswerter Stärke und Würde trat sie ihrer schweren Krankheit entgegen. Trotz dieser Last verlor sie nie ihren Optimismus. Ihr feministisches Erbe, ihr Einsatz als Gründungsmitglied des „10. Bundeslandes“ und ihre Vision einer gerechteren Welt werden im Stadtbild Wiens – besonders am Ni-Una-Menos-Platz – und in den Herzen derer, die sie kannten, weiterleben.
Wir verlieren eine inspirierende Persönlichkeit und eine treue Mitstreiterin. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.
Möge dir die Erde leicht sein, liebe Nesli.